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Um die digitale Transformation einer Organisation voranzutreiben, benötigt es neben der Einführung und Vermittlung agiler und nutzerzentrierten Methoden und der Veränderung von Strukturen auch der richtigen Haltung.

Business Coaches sind aktive Wegbereiter und Unterstützer, die Veränderungsprozesse für Teams, Organisationen und Personen anstoßen und damit die Strategie und Kultur eines Unternehmens mit Leben füllen.
Im Rahmen unseres DB Intrapreneurs Programms haben Business Coaches besonders in der Design Phase eine Schlüsselrolle. Denn hier begleiten sie die Teams über 3,5 Monate inhaltlich und methodisch und schaffen einen Rahmen für kontinuierliches Lernen, Austausch, wechselseitige Unterstützung und Selbstverantwortung.

Jens Blankenburg hat im letzten Batch eines unserer Teams als Business Coach unterstützt und uns in einem Interview etwas über die Inhalte seiner Arbeit verraten:

Wie bist du Business Coach geworden?

Nach einem eher generalistischen BWL Bachelor war ich fest entschlossen, mich in meinem Masterstudium stärker zu fokussieren und zu spezialisieren. Ich wollte etwas „Besonderes“ machen und studierte „Organisationsdesign“. Ein neuartiger Master, der sich grob gesprochen mit dem „Design“, d.h. der Gestaltung und Entwicklung von organisationalen Strukturen, beschäftigt. Ziel war und ist die Beantwortung der übergeordneten Frage: „Wie können Organisation in einem komplexen und dynamischen Kontext prosperieren?“. Oder anders gesagt: Die Welt da draußen spielt verrückt und verändert sich so schnell, dass etablierte Organisationsstrukturen schlicht und ergreifend nicht mehr wirksam sind. Die Themen Schwerpunkte Arbeitsorganisation, Digitalisierung und Mindset-Entwicklung haben mich dann bereits während des Studiums zu einem kleinen, hochspezialisierten Insitut an der Hochschule geführt, an dem ich neben Design Thinking und Design Sprints auch spannende Veränderungsprojekte als Coach begleiten durfte. Schnell fing ich dann an, selbst Vorlesungen zu diesen noch recht neuen Themen zu halten, was mir bis heute noch riesigen Spaß macht.

 Was begeistert dich an deinem Beruf als Business Coach?

Ich verstehe meine Aufgaben als Coach immer in einem mannigfaltigen Rollenverständnis beheimatet. Als Agile Coach muss man gleichzeitig als klassischer Coach, aber auch als Berater oder Lehrer auftreten – je nach Situation und Team. Am Ende ist das ganze Methodenwissen zwar schön und gut, aber es ist zu 90% people‘s business. Und das begeistert mich am meisten: Die Vitalität von Menschen zu entfachen. Ihre Stärken und Schwächen kennenzulernen und sie supporten, nicht nur im Business.

Was sind die wichtigsten Kompetenzen, die man in deinem Beruf mitbringen sollte?

Im Sinne von Watzlawick „die Inhaltsebene von der Beziehungsebene trennen zur können.“ Ich denke, das ist in vielen Situationen ganz entscheidend. Das heißt für mich das Gleichgewicht zwischen Resultorientierung – dem Blick für die inhaltlichen Ergebnisse – und der Lernorientierung, also dem Fokus auf die persönliche Entwicklung des Coachee. Man sollte niemals beides vermischen. Außerdem natürlich – wie überall – die Vernetzung mit anderen Coaches, mit Gleichgesinnten. Immer up-to-date bleiben – never stop learning!

 

Welche Methoden vermittelst du?

Im Rahmen des DB Intrapreneurs Programm sind es insbesondere die Frameworks Design Thinking und Lean Startup. Wichtig ist für uns auch das Mindset und die Werte des agilen Arbeitens in die Organisation zu bringen. Das kann man natürlich nicht einfach aufsetzen, sondern muss man selbst vorleben und jeden Tag aufs Neue Menschen inspirieren und dafür begeistern.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Vermittlung von Methoden?

Jeder Mensch bewegt sich gerne in seiner Komfortzone, dort wo er oder sie sich wohlfühlt, das Bekannte und Vertraute. Ein Mindset, wie er durch das Design Thinking Movement propagiert wird, ist in vielen Aspekten ein Paradigmenwechsel für die Menschen im DB Konzern. Sie sind auf komplizierte, kausale Probleme konditioniert. Dafür kennen sie klare und erprobte Vorgehensweisen, die auch „schon immer so waren“ und „schon immer funktioniert haben“. Design Thinking und Lean Startup sind dann sinnvoll einzusetzen, wenn es um komplexe und manchmal chaotische Herausforderungen geht. Zum Beispiel wenn ein hohes Maß an Unsicherheit und Risiko vorherrscht. So natürlich der Fall, wenn wir über Geschäftsmodell Innovation nachdenken. Diesen Paradigmenwechsel sehe ich für viele als größte Herausforderung.

 

Welche Methoden kommen gut/besser an als andere? 

Meiner Erfahrung nach geht es immer um die Lernerfahrung, welche die Menschen machen. Wenn sie neue Methoden positiv und mit dem richtigen Maß an Souveränität erleben, finden sie die meisten Sachen toll. Meine Lieblingsworkshops sind immer die, in denen „mit den Händen gedacht wird“. Egal ob das nun Pappe und Sprühkleber oder LEGO ist. Selbst hartgesottene Manager fangen dann auf einmal an Spaß zu haben! There’s nothing like that!

Wie wichtig ist das Mindset für dich in deiner Arbeit und auch für die Teilnehmer? 

Ich glaube man kann das Mindset von Menschen (und Organisationen) nicht einfach „verändern“ oder „verbessern“. Man muss auf dem aufsetzten, was da ist. Neugierde und Mut finde ich besonders wichtig! Und es gibt viele neugierige und mutige Menschen im Konzern, die etwas bewegen wollen!

Wie anpassungs- sowie lern- und entwicklungsfähig sollte ein agiler Coach sein?

Lernen ist das A und O. Neben dem Erlernen neuer Inhalte, halte ich es aber für noch viel wichtiger, das Gelernte zu auf seinen eigenen Use Case anzuwenden. Lean Startup funktioniert bei Mercedes anders als bei der Deutschen Bahn. Welche Aspekte müssen wir also für uns und unseren Anwendungsfall anpassen? Ein ständiges Iterieren der eigenen Designs ist essentiell für einen agilen Coach.

Wie sehr muss man als agiler Coach die Fähigkeit zur Selbststeuerung besitzen, um das eigene Verhalten beobachten, differenziert bewerten und nachjustieren zu können?

Emotionale Intelligenz ist hier das Schlüsselwort. Die eigenen Emotionen kennen und beeinflussen können (bis zu einem gewissen Grad) ist wichtig. Empathie ist ein Muss. Ich glaube aber, dass es niemals die Fremdwahrnehmung (Feedback) ersetzen kann. Beides ist notwendig, um sich weiterentwickeln zu können.

 

Vielen Dank Jens für das aufschlussreiche Interview, in dem du uns die Arbeit eines Business Coaches nähergebracht hast! 

#DBintrapreneurs #makethingshappen